Interviews

Im Gespräch mit Patrick Domo

Patrick Domo ist ein aufstrebender deutscher Maler, der seine Arbeiten in Spanien und Deutschland ausgestellt hat. Inspiriert von kulturellen Ikonen und einem Stil zwischen Realismus und Abstraktion, konzentriert er sich auf die Konstruktion von konzeptionellen Spiegeln, die pure Emotionen einfangen. Seine überlebensgroßen Charaktere springen mit ausdrucksstarken Ausdrücken und geheimnisvoller Miene von der Leinwand und sind mit Domos eigenen persönlichen Erinnerungen, Emotionen und Wünschen durchdrungen. Was sein Lieblingsaspekt in seinem kreativen Arbeitsprozess ist, lesen Sie hier in diesem Interview. Das Gespräch führte Annika Nein

Was machen Sie morgens, sobald Sie aufgewacht sind?

Der beste Tag beginnt mit guter Musik. Also lege ich meine aktuelle Lieblingsplatte auf und starte so in den Tag. Dabei reicht das musikalische Spektrum von Beethoven über Jimi Hendrix und den Beatles bis hin zu Kanye West. Meist verbringe ich den Vormittag am Schreibtisch, wo ich einige Büroarbeiten fertig mache, bevor ich mich dem kreativen Prozess zuwende. Ich plane fast alle meine Arbeiten auf dem Computer, insbesondere bezüglich der Komposition, bevor ich dann ins Atelier gehe.

Was inspiriert Sie dabei besonders?

Musik ist meine kreative Quelle. Meine Bilder sind die Songs. Meine Serien sind die Alben und ich der Komponist. 

Ich versuche durch meine Bilder Emotionen zu wecken, Erinnerungen festzuhalten und manchmal auch die Gesellschaft zu spiegeln. All diese Aspekte können wohl in jedem guten künstlerischen Werk gefunden werden, vom Film bis hin zur Skulptur oder eben auch in der Musik. So inspirieren mich andere große Künstler und treiben mich weiter auf meiner Suche. Darunter nicht nur bildende Künstler wie Francis Bacon oder Gerhard Richter, die mich auch stark beeinflussen und von denen ich noch viel lernen kann.

Patrick Domo, "Blanket", Öl auf Holz, 80x70cm, 2019
Patrick Domo, „Blanket“, Öl auf Holz, 80x70cm, 2019

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

In meinem großen Atelier herrscht meist ein kreatives Chaos, das mir als Nährboden für neue Ideen dient. Das Atelier befindet sich auf dem Land direkt neben dem Wohnhaus, wodurch ich sehr viel Platz habe und mich auch von der Natur inspirieren lassen kann. Die Ruhe auf dem Land fördert den Drang in mir etwas zu kreieren, um der Stille entgegenzuwirken und dadurch eine Balance zu schaffen. Ich arbeite alleine im Atelier und brauche das auch um Zugang zu meinem Innersten zu bekommen und dieses dann so effektiv wie möglich auf die Leinwand zu bringen. 

Würden Sie uns Ihre Maltechnik und Ihren Stil beschreiben?

Durch alle meine Serien zieht sich die Suche nach einer Balance zwischen Abstraktion und Realismus. Dabei ziehe ich Parallelen zur klassischen Debatte über Emotion vs. Vernunft. Ich versuche durch interessante, dreidimensionale Texturen spannende Details zu schaffen. Außerdem soll die verwischte und verzerrte Bildsprache Erinnerungen repräsentieren, die ja nie richtig scharf sind, sondern oft verschwommen und vage. Tritt man jedoch weiter weg und betrachtet die Bilder aus der Distanz, wird die Szene klarer und erkennbar. 

Gerade bei meiner neuen Serie „U“ geht es auch darum Situationen zu spiegeln, die mir in meinem Alltag oft begegnen. Sei es auf sozialen Medien oder auf der Straße. Dadurch erhoffe ich mir eine Repräsentation unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation. Um diese Betrachtung auszugleichen, fließen auch viele persönliche Erlebnisse mit in den Prozess der Motivfindung ein.

Was sind die wichtigsten drei Utensilien in Ihrem Atelier?

• Meine Pinsel bzw. Malmesser. 

• Ölfarben. Je dicker desto besser. 

• Leinwand. Je größer desto besser. (Lacht)

Patrick Domo, Untitled V, Acryl auf Leinwand, 124x200 cm, 2018
Patrick Domo, Untitled V, Acryl auf Leinwand, 124×200 cm, 2018

Wie stellen Sie fest, dass ein Kunstwerk fertig ist?

Ich weiß meist bevor ich den ersten Pinselstrich setze, wie das Bild am Ende aussehen soll. Schließlich investiere ich ca. 3 – 4 Wochen in das Konzept, die Farbgebung, die Komposition etc., um dann beim Malen alles „Alla Prima“ spontan und intuitiv auf die Leinwand bringen zu können. 
Im Detail und gerade zum Schluss ist es so, dass ich so lange weiterarbeite, bis mich nichts mehr stört und meine Augen wie von selbst über die Leinwand tanzen. Dabei ist weniger oft mehr und man muss aufpassen, dass das Kunstwerk nicht kippt und der Kern verloren geht. 

Was machen Sie gerne, um sich nach einem Arbeitstag zu entspannen?

Ich arbeite gerne nachts, wodurch ich nach dem arbeiten meist nur noch ein wenig im Atelier sitze, mein Tageswerk betrachte, beurteile und dann ins Bett gehe. Sport treiben oder ein Buch zu lesen hilft mir auch enorm und dient mir als Ausgleich: „Anima sana in corpore sano“, war schon immer mein Motto, obwohl ich eigentlich nichts von Mottos halte.

Was ist Ihr Lieblings Aspekt in Ihrem kreativen Arbeitsprozess?

Es gibt bei mir tatsächlich diesen Klischee-Moment von der Muse geküsst zu werden. Dann kann ich es kaum erwarten das Bild zu malen, werde sehr aufgeregt und fokussiert. Es gibt kaum eine bessere Spannung als dann vor der weißen Leinwand zu stehen und sich mit pochendem Herzen ins Bild zu stürzen. 

Sehr befriedigend ist natürlich auch das Einrahmen und Aufhängen eines Werkes. Wobei oft erst die nächsten Wochen oder Monate zeigen, wie gut es wirklich ist. Meine eigene Einschätzung springt oft selbst bei ein und demselben Bild hin und her zwischen: „Das ist genial! Mein bestes Werk bisher!“, zu „Dilettantisch, unkreativ, langweilig…“. Aber gerade diese Selbstzweifel sind wahrscheinlich der Motor für neue kreative Momente. 

Vielen Dank, Patrick! Weitere Infos und Kunstwerke finden Sie auf der Künstlerseite von Patrick Domo.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.