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Meisterwerke: Susanna und die Ältesten von Artemisia Gentileschi

Susanne and the Elders

Die künstlerischen Leistungen von Artemisia Gentileschi als große Meisterin der italienischen Barockmalerei wurden lange Zeit von Ereignissen in ihrem Privatleben überschattet: zum einen durch die Tatsache, dass sie eine Frau in einer Männerdomäne war, zum anderen durch ihre Rolle im Prozess gegen ihren Vergewaltiger Agostino Tassi. Mittlerweile gilt Artemisia Gentileschi jedoch als eine der versiertesten Malerinnen ihrer Zeit. Singulart befasst sich in diesem Beitrag mit ihrem Gemälde Susanna und die Ältesten, das die Geschichte von Susanna aus dem Buch Daniel darstellt. Dabei gehen wir darauf ein, wie die Malerin das Geschehen aus ihrer eigenen Perspektive darstellten konnte, auf die biblische Erzählung, die das Werk inspiriert hat, und auf das Vermächtnis, das Gentileschi hinterlassen hat.

Wer war Artemisia Gentileschi?

Artemisia Gentileschi wurde am 8. Juli 1593 in Rom geboren. Ihr Vater war der Maler Orazio Gentileschi, von dem sie in seinem Atelier von klein auf das Malen lernte. Ähnlich wie bei ihrem Vater war ihr Stil stark von Caravaggio beeinflusst, wobei ihre Gemälde realistischer sind als die idealistischen Werke ihres Vaters.

Selbstporträt als Lautenspielerin (1615–1617)

Artemisia Gentileschi wurde am 8. Juli 1593 in Rom geboren. Ihr Vater war der Maler Orazio Gentileschi, von dem sie in seinem Atelier von klein auf das Malen lernte. Ähnlich wie bei ihrem Vater war ihr Stil stark von Caravaggio beeinflusst, wobei ihre Gemälde realistischer sind als die idealistischen Werke ihres Vaters.

Madonna und Kind (1613)

Kurz nach dem Prozess ging Gentileschi eine Ehe mit dem Maler Pierantonio Stiattesi ein und zog nach Florenz. Dort wurde sie bald eine gefragte Malerin, die Aufträge von den Medici und dem Großherzog der Toskana bekam. 1616 wurde Gentileschi als erste Frau überhaupt an der renommierten und bis heute bestehenden Accademia di Belle Arti in Florenz aufgenommen, der ältesten Akademie für Malerei in Europa.

Die Geschichte hinter Susanna und die Ältesten

Gentileschis Gemälde zeigt die biblische Erzählung von Susanna und den Ältesten (auch bekannt als Susanna im Bade) aus dem Buch Daniel. Susanna, eine hebräische Ehefrau in Babylon, wurde fälschlicherweise von zwei Ältesten beschuldigt, mit einem jungen Mann Ehebruch begangen zu haben. Die beiden Ältesten hatten Susanna beim Baden beobachtet, sie bedrängt und gedroht, das Gerücht der Untreue zu verbreiten, sollte sie sich weigern, mit ihnen sexuell zu verkehren. Susanna wehrte sich jedoch, und als Vergeltung ließen sie Susanna verhaften und behaupteten, sie bei der Untreue überrascht zu haben. Das Volk glaubte den beiden Ältesten und forderte das Todesurteil für Susanna. Daniel hatte allerdings eine Eingebung und schlug vor, die beiden Ältesten einzeln nach ihrer Version der Ereignisse zu fragen. Die Zeugenaussagen der beiden Männer widersprachen sich, woraufhin das zuhörende Volk Susanna freisprach und die zwei Ältesten als Lügner hingerichtet wurden.

Susanne and the Elders
Susanna und die Ältesten (1610)

Gentileschis Darstellung der Susanna

Gentileschi schuf das Gemälde 1610, als sie gerade erst 17 Jahre alt war. Gepriesen wird sie vor allem für ihre realistische Darstellung der weiblichen Formen. Besonders deutlich wird dies an Susannas Brust, die unter ihrem Arm zusammengedrückt wird, und auch die Falten darunter sind naturgetreu. Kunsthistoriker haben sich die Frage gestellt, wie Gentileschi dazu in der Lage war, den weiblichen Körper so realistisch darzustellen. Vermutlich lag es unter anderem daran, dass weibliche Modelle im Atelier ihres Vaters ein und aus gingen, um für Akte zu posieren. Während Artemisias Stil in mancher Hinsicht den ihres Vaters widerspiegelt, malte sie dramatischer und stilisierter.

Ein früheres Gemälde von Susanna und die Ältesten von Claude Vignon.

Gentileschi schuf das Gemälde 1610, als sie gerade erst 17 Jahre alt war. Gepriesen wird sie vor allem für ihre realistische Darstellung der weiblichen Formen. Besonders deutlich wird dies an Susannas Brust, die unter ihrem Arm zusammengedrückt wird, und auch die Falten darunter sind naturgetreu. Kunsthistoriker haben sich die Frage gestellt, wie Gentileschi dazu in der Lage war, den weiblichen Körper so realistisch darzustellen. Vermutlich lag es unter anderem daran, dass weibliche Modelle im Atelier ihres Vaters ein und aus gingen, um für Akte zu posieren. Während Artemisias Stil in mancher Hinsicht den ihres Vaters widerspiegelt, malte sie dramatischer und stilisierter.

Gentileschis großes Vermächtnis

Obwohl Artemisia Gentileschi zu Lebzeiten als große Malerin gefeiert wurde, strich man sie nach ihrem Tod fast vollständig aus der Kunstgeschichte. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass aufgrund des ähnlichen Stils viele ihrer Werke fälschlicherweise ihrem Vater zugeschrieben wurden. In den frühen 1900er Jahren wurde Roberto Longhi, ein auf Caravaggio spezialisierter Kunsthistoriker, zu einem Fürsprecher von Gentileschis Werk. Doch selbst diese Anerkennung wurde von sensationslüsternen Berichten über ihr Leben überschattet, nachdem Longhis Frau einen Roman veröffentlicht hatte, in dem sie schlüpfrige Details aus Gentileschis Leben beschrieb. Im Laufe ihrer Karriere wehrte sich Gentileschi gegen niedrige Bezahlung und Sexismus. In einem Brief an ihren Mäzen Don Antonio Ruffo schrieb sie: „Es war demütigend zu hören, dass du von dem ohnehin schon niedrigen Preis, um den ich gebeten habe, ein Drittel abziehen willst.“ Und in einem späteren Brief fuhr sie fort: „Und jetzt werde ich deiner hocherlauchten Lordschaft zeigen, wozu eine Frau imstande ist!“

Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis das Publikum auf die Bedeutung ihrer Arbeit aufmerksam wurde, als Gentileschi in eine Ausstellung von Werken weiblicher Künstler im Los Angeles County Museum of Art aufgenommen wurde. Inzwischen werden für Gemälde von Gentileschi auf dem Kunstmarkt Millionen geboten. So erzielte das Ölgemälde Lucretia bei einer Auktion in Paris im November 2019 den Rekorderlös von 4,8 Millionen Euro. Ihre Arbeit wird allerdings auch heute noch ständig neu bewertet, und es scheint nach wie vor schwerzufallen, ihre Kunst von ihrem Privatleben zu trennen. Ungeachtet dessen ist die Bedeutung Artemisia Gentileschis als Malerin unbestritten, deren Werk Würdigung und Anerkennung zusteht.

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