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Wie Sie mit Kunst wieder bei sich selbst ankommen: Interview mit Lifecoach Stefanie Adam

Zwölf Jahre arbeitete Stefanie Adam erfolgreich als Interior Stylistin für renommierte Wohnmagazine, setzte Räume stilvoll in Szene und ging ihrer großen Leidenschaft nach. Nach einem Zusammenbruch wurde ihr jedoch klar, dass sie dieser Weg nicht mehr länger erfüllt. In einer zweijährigen Auszeit begab sie sich auf eine spannende Entdeckungsreise zu sich selbst, widmete sich ihrer Gefühlswelt und entdeckte neue Ausdrucksformen. Welche Lebensaufgabe sie in diesem Schicksalsschlag erkannte und wie uns Kunst dabei helfen kann, wieder bei uns selbst anzukommen, erfahren Sie in diesem inspirierenden Interview.

Frau Adam, wer sind Sie und was hat Sie dazu inspiriert, Lifecoach zu werden?

Ich wollte nie Lifecoach werden, doch das Leben hatte andere Pläne mit mir und hat mich immer wieder in diese Richtung geschubst. Nach meinem Studium im Bereich Kommunikationsdesign arbeitete ich zunächst in der Werbebranche. Schnell stellte ich jedoch fest, dass diese Richtung – und eine Festanstellung – nicht das Richtige für mich ist. Ich kündigte, ging auf Weltreise und kehrte mit einem neuen Plan zurück: Ich wollte als Interior Stylistin arbeiten. Zwölf Jahre gestaltete ich erfolgreich Räume für internationale Wohnmagazine, verdiente gut, war anerkannt und folgte meiner Leidenschaft. Nach meinem plötzlichen Zusammenbruch im Jahr 2014, begleitet von einer kleinen Depression und einem Burn-out, hat mich das Leben jedoch dazu gezwungen, mir einzugestehen, dass es an der Zeit ist, neue Wege einzuschlagen.

„Ein neuer Lebensweg wird einem nicht einfach auf dem Silbertablett präsentiert. Um zurück zu uns selbst zu finden, dürfen wir bewusst entscheiden, ins Unbekannte zu springen, die Kontrolle loszulassen und zu vertrauen.“

Stefanie Adam

Ich nahm mir eine Auszeit von zwei Jahren, verbrachte sehr viel Zeit mit mir selbst und widmete mich all dem alten Schmerz, der in unzähligen Kisten in meinem inneren Keller darauf wartete, endlich geheilt zu werden. Ich habe sehr viel innere Arbeit geleistet, um dann irgendwann eine Vorstellung von dem zu bekommen, was mein neuer Weg sein könnte. Denn meine innere Stimme sagte mir immer wieder: „Dein Weg als Interior-Stylistin ist hier zu Ende.“ Es hat mich wahnsinnig viel Kraft gekostet loszulassen und mir selbst meine eigene Verletzlichkeit einzugestehen. Es war wie eine Häutung, wie eine Transformation zum Schmetterling. Auf dem Weg habe ich viele Gaben und Talente wieder entdeckt, die ich zwar schon immer hatte, die ich jedoch lange nicht als diese erkannte – so wie die Gabe, mit Menschen zu arbeiten. Auch meine Feinfühligkeit betrachte ich heute als riesiges Geschenk. Meine Geschichte hat mich dazu inspiriert, mehr darauf zu achten, was mir wirklich gut tut und mich auch zu fragen, was ich der Welt von mir zurückgeben möchte.

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit bewirken?

Meine Aufgabe sehe ich darin, mehr Bewusstsein zu schaffen und Mut zu machen, sich selbst mit allen Facetten zum Ausdruck zu bringen – vom Kopf zurück ins Herz. Ich sehe meine Rolle als Soulbuddy auf Zeit und helfe dabei, die eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse wieder mehr zu spüren und die Verbindung zur Intuition zu schärfen. Wir alle haben diese Verbindung zur Intuition in uns. Doch häufig ist sie von so vielen Ängsten und Glaubenssätzen überdeckt, dass wir glauben, wir würden keine Intuition besitzen. Dann treffen wir Entscheidungen aus dem Kopf heraus. Doch die Antworten sind völlig andere, wenn wir sie im Herzen finden. Ich helfe Menschen dabei, wieder stärker in Kontakt mit sich selbst zu treten. Ich glaube, sie ist das Fundament für alles im Leben. Denn wenn wir aus unserem Herzen heraus agieren, dann sind wir auch in unserer Mitte. Das hat Einfluss auf alle unsere Entscheidungen.

„Wahrer Frieden entsteht, wenn Innen und Außen im Einklang sind.“ Inwiefern ist unsere Außenwelt ein Spiegel unseres Innenlebens und was können wir dafür tun, um ein inneres Gleichgewicht herzustellen?

Alles hat seinen Ursprung in unseren Gedanken. Denn unsere Gedanken entscheiden darüber, durch welche Brille wir das Leben betrachten und welche Entscheidungen wir im Leben treffen. Diese Entscheidungen sorgen dafür, dass ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhalte, welche Erfahrungen ich sammle, welche Gefühle ich empfinde und welche Gedanken diese wieder in mir erzeugen. Es geht darum, genau diesen Kreislauf bewusst zu machen. Je häufiger wir es schaffen, präsent zu sein und unsere Gedankenmuster zu erkennen, desto mehr können wir die Ursache in uns selbst verändern und aktiv entscheiden, wie wir uns fühlen möchten. Das hat einen riesigen Einfluss auf unser Leben im Außen, ohne dass wir das Außen verändern müssen.

Striped – Pink, Ronald Hunter (2019)

Häufig optimieren wir nur im Außen. Das kann auch ein Anfang sein, um etwas zu bewegen. Aber das, was wirklich frei macht, ist die innere Arbeit. Nicht selten verstehen wir gar nicht, wie viel unsere Gedanken mit unserem Ausdruck zu tun haben. Wenn ich zum Beispiel Angst habe, drücke ich mich nicht wirklich kreativ und frei aus. Unser Umfeld wirkt in diesem Prozess wie ein Spiegel. Wenn ich ein negativer Mensch mit depressiven Gedanken bin, dann ziehe ich durch diese Energie auch wieder ähnlich denkende Menschen in mein Leben. Die Wirkung im Außen wird sich automatisch verändern, wenn ich im Inneren meine Gedanken und damit meine Energie verändere.

„Lebenskunst – die Kunst, das eigene Leben als Kunstwerk zu gestalten.“ Welche Parallelen sehen Sie zwischen der Arbeit eines Coaches und der Arbeit eines Künstlers?

Da gibt es sehr viele Parallelen. Nur wenn ich weiß, wer ich bin und Zugang zu meiner Intuition habe, die Kontrolle abgebe und mich hingebe, kann ich authentisch kreativ sein. Das trifft sowohl auf einen Coach als auch auf einen Künstler zu. Ich habe Kommunikationsdesign studiert und früher viel mit meinen Händen selbstgemacht. Die Arbeit als Coach hat mir auf eine ganz andere Art und Weise gezeigt, dass es auch kreativ ist, mit Menschen zu arbeiten und dass Kunst sehr viele verschiedene Facetten und Formen haben darf. Es hat lange Zeit gebraucht, um das zu verstehen. Ich dachte immer, Kunst sei an Pinsel und Farbe gekoppelt. Egal ob als Künstler oder als Coach: Ich bin nur dann im Flow, wenn ich intuitiv arbeite und nicht versuche, vom Kopf her zu manipulieren und zu steuern. Von innen nach außen und nicht von außen nach innen. Das macht einen riesigen Unterschied in der Qualität der Arbeit. Denn wenn ich ein Bild von außen nach innen male, dann fühle ich es nicht. Wenn ich jedoch die Energie von innen nach außen fließen lasse und mit mir verbunden bin, dann entsteht ein völlig anderes Werk – sowohl als Künstler als auch als Coach. Das hat sehr viel mit Hingabe zu tun.

Lifecoach Stefanie Adam unterstützt Menschen dabei, die Verbindung zur Intuition wieder zu stärken.|Foto: Henning Pommée

Pablo Picasso sagte einmal: „Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.“ Wie kann Kunst uns dabei helfen, wieder besser mit uns selbst in Verbindung zu kommen?

Das hängt vor allem davon ab, wie sehr wir uns selbst in unserer Verletzlichkeit zulassen können. Dann kann es auch passieren, dass mir die Tränen kommen, weil ich so sehr von der Schönheit eines Bildes ergriffen bin. Je mehr ich mich selbst spüre, desto besser bin ich mit mir selbst und meinem Herzen in Verbindung und desto weniger wichtig ist es mir auch, was andere über mich denken. Dann kann ich mich authentisch zeigen. Kunst wirkt dann am besten, wenn wir ihr Raum geben. Ich glaube: Je besser ich in der Lage bin, einem Kunstwerk Raum zu geben, desto besser bin ich auch im Leben in der Lage, mir selbst Raum zu nehmen. Es sagt eine Menge über die Intensität meiner Persönlichkeit aus, wie ich mit einem Kunstwerk umgehe, wie ich es positioniere und wie liebevoll ich es behandle. Interessant ist es auch zu erspüren, wie viel Raum ich der Erfahrung Kunst gebe. Konsumiere ich Kunst nur nebenbei oder lasse ich mich intensiv darauf ein? Das hat auch viel mit Demut und Wertschätzung zu tun, insbesondere Wertschätzung für den Künstler.

Sind Sie der Meinung, dass uns Kunst emotional so tief berühren kann, dass sie verborgene Seelenanteile an die Oberfläche bringt?

Absolut. Kunst kann therapeutich dabei helfen, bestimmte Emotionen und Traumata zu verarbeiten und ein tolles Ausdrucksmittel unseres Unterbewusstseins sein, um wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Das können negative und traumatische Erlebnisse sein, die ich vielleicht nie geheilt habe. Auch hier wirkt das Kunstwerk wie ein Spiegel unseres Selbst. Je negativer meine Gedanken sind, desto negativer nehme ich die Wirkung war. Wichtig ist hierbei auch, dass alle Gedanken und Gefühle erlaubt sind und wir sie nicht bewerten. Wenn wir sowohl das Traurige als auch das Träumerische zulassen können, sind wir auf dem Weg der Heilung. Um an diese Gefühle heran zu kommen, kann die Kunst uns helfen.

Ancrés, Marie-Astrid Grivet (2019)

Inwiefern kann Kunst ein intuitiver Wegweiser bei der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse sein?

Ich kann Kunst dafür nutzen, mehr über mich selbst zu lernen. Wie viel Raum gebe ich mir selbst, wenn ich Kunst inszeniere und wenn ich Kunst betrachte? Wie verlagere ich meine Aufmerksamkeit von außen nach innen? Was löst das Werk bei mir aus? Dadurch komme ich wieder in Kontakt mit meinen Gefühlen. Es hilft, wenn man sich hierfür mit seinem Atem verbindet. Stille ist immer ganz wichtig, um nachzuspüren, wie sich dieser Schritt gerade anfühlt und erst dann weiter zu gehen. Wir haben ein Bauchgefühl, das uns hierbei wunderbar lenkt, wenn wir auf unseren Körper hören und uns davon frei machen, wie es bei anderen ankommt.

Glauben Sie, dass Kunst in schweren Zeiten ein Leuchtturm sein kann, aus dem wir wieder neuen Lebenssinn und Kraft schöpfen können?

Kunst kann absolut ein Leuchtturm in schwierigen Situationen sein – wenn ich sie als Werkzeug verstehe, um meine negativen Gefühle zum Ausdruck zu bringen und sie zu heilen. Dabei ist es ganz egal, welche Ausdrucksform ich wähle. Glück besteht für mich nicht darin, ständig nur fröhlich zu sein, sondern darin, mich selbst mit all meinen Facetten erst einmal anzunehmen, mich selbst zu lieben und mein Inneres dann auszudrücken. Und dies idealerweise auch mit der Welt zu teilen, ohne etwas dafür zu erwarten. Auch in jedem Schmerz liegt unheimlich viel Schönheit, wenn wir ihn zulassen und ein Geschenk darin erkennen. Daraus können wir eine Menge lernen und ihn als vielschichtiges Kunstwerk zum Ausdruck bringen.

Hat Sie die Geschichte von Stefanie Adam dazu inspiriert, wieder stärker in Kontakt mit sich selbst zu treten? Finden Sie Ihr persönliches Lieblingswerk, das Sie emotional berührt und kommen Sie wieder bei sich selbst an.

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