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Moderne Renaissance – 5 zeitgenössische Werke und ihre berühmten Vorreiter

Die Schule von Athen

Kaum eine Epoche war so prägend in der Kunstgeschichte wie die Renaissance. Dem französischen Wortursprung zufolge, wird diese Epoche als „Wiedergeburt“ antiker Ideale verstanden, die zwischen 1400 und 1600 in Kunst, Architektur und Kultur ihren Ausdruck fanden. Zu den besonderen Künstlern, die dieses Zeitalter in ihrem kreativen Schaffen geformt haben, zählen Leonardo da Vinci, Michelangelo, Sandro Botticelli und auch Albrecht Dürer. Geprägt von neuen Entdeckungen und technischem Fortschritt entwickelte sich ein humanistisches Weltbild, das den Menschen stärker in den Mittelpunkt rückte.

Dieser Gedanke spiegelt sich ebenfalls in der Malerei wieder: Mit der Entdeckung der Zentralperspektive gewannen Gemälde und Wandmalereien an Tiefe und Perspektive, was ihnen auch mehr Harmonie und Natürlichkeit verlieh. In Anlehnung an griechische Vorbilder der Antike wurden Vollkommenheit und Perfektion vor allem in der korrekten Darstellung des menschlichen Körpers angestrebt. Mit besonderem Fokus auf die Anatomie wurde der Mensch mit idealen Maßen und Proportionen gezeigt. Auch Porträts berühmter Perönlichkeiten und erste Landschaftsmalereien gehören zu den kunsthistorischen Errungenschaften dieser Epoche. Entdecken Sie fünf Werke unserer zeitgenössischen Künstler, die ihren Vorbildern aus der Renaissance erschreckend ähnlich sehen. Begeben Sie sich auf eine kleine Zeitreise quer durch die Epoche und ergründen Sie die Geschichten, die sich hinter den weltbekannten Werken verbergen.

Das mysteriöse Lächeln der Mona Lisa

Das Porträt der Mona Lisa von Leonardo da Vinci ist wohl das bekannteste Gemälde der Welt und gilt als eines der Meisterwerke der Renaissance. Seine Berühmtheit hat das Werk vielen Geheimnissen sowie einer skurilen Vergangenheit zu verdanken. Dem Mythos zufolge ist immer noch nicht klar, wer diese Frau mit dem ikonischen Lächeln wirklich ist. Kunsthistoriker vermuten, dass es sich um ein Bildnis von Lisa Gherardini, der Gattin des florentinischen Tuch- und Seidenhändlers Francesco del Giocondo, handelt, das zur Feier der Geburt des zweiten Sohnes in Auftrag gegeben wurde. Bis das Werk jedoch vollendet war, vergingen drei Jahre. Letztlich entschied da Vinci, das Gemälde selbst zu behalten, weshalb moderne Kunsttheoretiker im Gemälde sogar ein androgynes Selbstbildnis des Meisters zu erkennen vermögen. Vor allem aber das mysteriöse Lächeln wirft Fragen auf, das im modernen Porträt von Oscar Nin kreativ modifiziert und in Szene gesetzt wird.

Das letzte Abendmahl

Als weiteres Meisterwerk Da Vincis ging Das Abendmahl in die Geschichte der berühmtesten Kunstwerke aller Zeiten ein. Thematisch widmet sich das Fresko der Ankündigung des Verrats Jesus und den damit einhergehenden Reaktionen der Aposteln. „Wahrlich, ich sage euch, einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.“ Das sind die Schlüsselworte Jesus, die in der Szene transportiert werden. Die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke der Apostel bringen Emotionen der Empörung, Trauer und Wut zum Ausdruck. Lediglich Jesus wahrt eine friedvolle und ruhige Haltung, in der auch ein Hauch von Traurigkeit und Enttäuschung zu erkennen ist. Ob es Da Vinci um die biblische Thematik an sich ging oder um eine psychodynamische Darstellung des Verrats bleibt ungewiss. Dass das Thema auch heute noch hoch aktuell ist, beweist ein Blick auf die zeitgenössische Kunst: Der japanische Künstler Tomoya N hat sich an den Klassiker herangewagt und ihn an die Moderne adaptiert.

Die Geburt der Venus

Das Gemälde Die Geburt der Venus von Botticelli zeigt die Ankunft der Liebesgöttin Venus am Strand von Zypern. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern dieser Zeit wählte Botticelli kein christlich-religiöses Motiv, sondern eine Figur der römischen Mythologie. Im linken oberen Bildrand schweben Zephyr und seine Gefährtin Aura, die die Funktion des „Westwindes“ übernehmen und Venus in Richtung des Strandes blasen. Dort wird sie bereits von einer Hore erwartet, die den nackten Körper der Venus mit einem edelen Tuch verdecken möchte. Von leichter Scham erfasst ist die Venus in der Jakobsmuschel der erste weibliche Akt der Neuzeit. Als Sinnbild der geistigen Liebe und der Schönheit bringt sie den Frühling und das Leben in die irdische Welt. Auf sanfte Weise verköpert sie das Idealbild einer Frau in ihren weiblichen Vollkommenheit. Dieser Thematik widmete sich ebenfalls M K Anisko, der das Meisterwerk in seiner ursprünglichen Kompostion beibehielt. Seine moderne Adaption unterscheidet sich vor allem in der auffälligen Farbgebung vom Original: Ein kräftiges Türkis, Violett und Grün dominieren das Werk und verleihen ihm eine neue Ausdruckskraft.

Die Erschaffung Adams

Bei der Erschaffung Adams handelt es sich um einen Ausschnitt des weltberühmten Deckenfreskos von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans. Das Gemälde zeigt im linken Bildrand die Hand Adams, der seinen Zeigefinger der Hand Gottes im rechten Bildrand entgegenreckt. Obwohl sich die Hände fast zu berühren scheinen, bleibt stets eine Lücke zwischen ihnen. Während die Hand Gottes stark und anmutig erscheint, wirkt die Hand Adams noch etwas kraftlos und erschöpft. Als Sinnbild des Ursprungs allen menschlichen Lebens verkörpert Michelangelos Meisterwerk den Ursprung der Schöpfung, aber auch den unüberwindbaren Spalt zwischen dem Menschsein und dem Göttlichen. In der moderenen Interpretation von Simone Kocher ist es Evas Hand, die sich dem Göttlichen entgegenstreckt. Zur Überbrückung der Distanz hält Gott ihr einen zuckersüßen Lollie hin. Womöglich handelt es sich hierbei um eine Anspielung auf den Sündenfall im Paradies, der die Schöpfung auch gleichzeitig mit Versuchung verbindet.

Die Schule von Athen

Die Schule von Athen ist ein Fresko des italienischen Malers Raffael, das ebenfalls im Vatikan zu finden ist. Die Wandmalerei stellt eine Hommage an die großen Philosophen der Antike dar – im Zentrum von ihnen Platon und Aristoteles. Im linken Bildrand dargestellt sind die platonisch orientierten Denker, während sich im rechten Bildrand die Aristoteles zugewandten Gelehrten befinden. Das Fresko erinnert an die herausragende philosophische Denkschule der Antike mit all ihren philosophischen Meistern. In Erinnerung an das Gedankengut der Antike verweist die Wandmalerei auf die Ursprünge der europäischen Kultur mit ihren Urvätern der Philosphie, Kunst und Wissenschaft. Im modernen Pendant von Lluis Barba lassen sich ebenfalls kulturelle Ikonen der Moderne entdecken. Hierbei liegt der Fokus jedoch eher auf Stars und Sternchen der Musikwelt, wie Elvis Presley und Robbie Williams. Aber auch spirituelle Persönlichkeiten tümmeln sich unter den Gästen. Haben Sie entdeckt, um wen es sich handelt?

Konnten wir Ihr Interesse für die „Moderne Renaissance“ wecken? Dann entdecken Sie auch diese originellen Kunstwerke, die von den alten Meistern der Epoche inspiriert sind:

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