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5 Minuten mit Ewald Karl Schrade über die art KARLSRUHE 2020

art KARLSRUHE

2004 ins Leben gerufen hat sich die art KARLSRUHE als eine der bedeutendsten Kunstmessen für Klassische Moderne und Gegenwartskunst in Deutschland etablieren können. Von Lovis Corinth über Pablo Picasso bis zu Otto Dix : Erfahren Sie in diesem spannenden Interview mit dem „Art“ Kurator Ewald Karl Schrade, auf welche Künstler sich Kunstinteressierte vom 13. bis 16. Februar 2020 auf der Messe freuen dürfen und welche Trends derzeit in der Kunstszene zu beobachten sind.

Herr Schrade, was finden Sie an Kunst so faszinierend?

Die Kunst.

Vom Handwerk zur Kunst: Karl Ewald Schrade, Kurator der art Karlsruhe, arbeitete als Modellschreiner, bis er mit 19 Jahren bei einem Motorradunfall seine rechte Hand verlor. Danach war er als Versicherungsmakler tätig, bis ihn sein Weg schließlich zur Kunst führte.
| Foto: art Karlsruhe

Was hat Sie dazu bewegt, die art Karlsruhe ins Leben zu rufen?

Als wir die Messe gründeten, gab es zwar neben Köln und Basel noch zwei weitere im deutschen Sprachraum, nämlich in Berlin und Frankfurt, doch im Sammlerland Baden-Württemberg fehlte ein Markt. Dabei war es mir von Anfang an wichtig, die Klassische Moderne und die Gegenwartskunst gemeinsam zu berücksichtigen und in den Dialog zu setzen. Ohne Geschichte keine Zukunft, so die Devise.

Auf was dürfen sich Kunstinteressierte vom 13. bis 16. im Februar 2020 auf der art Karlsruhe freuen?

Wir zeigen Kunst aus rund 120 Jahren, von Lovis Corinth über Pablo Picasso bis zu Otto Dix, von Ernst Ludwig Kirchner über Cy Twombly bis zu Gerhard Richter. Auch allerjüngste Positionen sind vertreten. Vom Expressionismus über Pop Art, Informel und ZERO-Bewegung bis zum Werk von Gegenwartskünstlern, die jeder Sammler kennt, also beispielsweise Miriam Cahn, Katharina Grosse, Karin Kneffel, Neo Rauch und Anselm Reyle: Über 1 500 Namen sind dank der 210 Ausstellern aus 15 Ländern registriert. Wir haben erneut eine große Sonderausstellung vorbereitet, diesmal der Stiftung und Sammlung des weltbekannten Siebdruckers und Sammlers Hans-Peter Haas gewidmet. Er hat mit vielen bedeutenden Künstlern zusammengearbeitet, von Salvador Dali bis Max Ernst, von Christo bis Victor Vasarely. Nicht zuletzt gehört zum Rahmenprogramm das traditionelle ARTIMA art meeting, eine zweitägige Diskussionsveranstaltung, in diesem Jahr dem Thema Skulptur und Kunst im öffentlichen Raum gewidmet.

Welche Trends und Entwicklungen können Sie für das Jahr 2020 in der modernen Kunstszene beobachten?

Ich persönlich nehme wahr – und werde auch von Galeristen-Kollegen in dieser Wahrnehmung bestärkt -, dass die Editionskunst, namentlich die Druckgrafik, wieder mehr in den Blick der Sammler und Kunstkäufer kommt. Seit den 80er Jahren wurde sie nicht mehr so stark beachtet und umso mehr freut es mich, dass wir diese Entwicklung auf der Messe in der zum vierten Mal ausgerichteten Übersichtsschau zur Druckgrafik mit befeuern. Diese Werke geben auch jüngeren Sammlern die Chance, preisgünstig den eigenen Zugang zur Kunst zu finden.

Wie stehen Sie der Digitalisierung der Kunstwelt gegenüber?

Ich beobachte – wie alle – eine zunehmende, ungeheuer schnelle gesellschaftliche, auch wirtschaftliche Entwicklung durch die Digitalisierung. Freilich sehe ich zudem die Schattenseite: So herrscht mittlerweile eine Flüchtigkeit, dass mir mitunter ganz schwindelig wird. Zwar haben sogar einige ältere Künstler – denken wir an die iPad-Malereien von David Hockney – die neuen technischen Medien in ihre Arbeit gezogen, doch alles in allem scheint mir in den Ateliers nach wie vor die Lust groß zu sein, konventionell zu malen, zu drucken oder zu modellieren. Erschwerend kommt hinzu, dass es für die Digitalkunst nicht wirklich einen Markt gibt. Zu wenige Galerien, kaum Sammler – das Misstrauen ist groß, wenn es darum geht, die Kunst aus der Steckdose zu holen.

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